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Schreiben im Winterwald

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Kennst Du das, wenn Du rausgehst in den Winterwald, und da ist dieses starre Knirschen unter Deinen Füßen, Schritt für Schritt? Wenn Du nach unten siehst, funkeln Dir kleine Eisblumen von den welken Blättern entgegen. Die Luft ist klar und klirrend-kalt, der Himmel blau und die Sonne leuchtet genau vor Dir zwischen den Bäumen, höher als auf Deine Augenhöhe steigt sie kaum. Auch auf das Moos haben sich die Eisblumen gesetzt und manchmal kannst Du Eisspitzen von den welken Pflanzen herunterhängen sehen. Die Bäume sind ganz kahl und kein Wind geht. Es tut so gut, tief durchzuatmen und diese frische, kalte Luft in Dich einzulassen. So kann es sein im Winterwald.

Der Winter lädt uns zum Schreiben ein – schön gemütlich auf dem Sofa, mit einer Tasse heißem Tee oder Kakao (falls wir uns die Zeit dafür nehmen können).

Ich lade ein, im Winter in die Natur zu gehen und zu schreiben, trotz Kälte und unangenehmem Wetter – oder gerade deshalb.

Der Wald, die Landschaft um uns herum schläft oder ist abgestorben, die Pflanzen haben sich zurückgezogen, alles liegt braun und brach am Boden. Die Natur ruht, um im Frühling wieder Kraft zu haben für das Wachsen, das Neue.
Nur das Moos und ab und zu kleine Winterpflanzen leuchten grün durch die Bäume am Boden.

 

Eine Schreibauszeit im Winter

Der Winterwald ist ein Raum der Stille und der Klarheit. Es ist jetzt leiser hier und offener, wenige Farben, Geräusche tragen weiter, Spuren sind oft leichter zu sehen. Diese Stille lädt zum Schreiben ein. Wir schreiben mit dem Winterraum der Ruhe, Regeneration und Klarheit. Nehmen die feinen Nuancen wahr, gehen ihnen nach. Hören die Krähe in den Bäumen, entdecken die Rehspur am Boden, das Tauwasser, das von der glatten Buchenrinde rinnt. Wir sind ganz hier, mit all unseren Sinnen, mit unserer Präsenz und Aufmerksamkeit, mit den Händen, unseren Füßen, unserem Atem. Wir schreiben frei aus uns heraus und lassen in der Stille kommen, was aus uns kommen will.

Nehmen wir Dunkelheit, Rückzug, Müdigkeit als erdrückend wahr, kann das Schreiben im Wald ordnend und stärkend wirken. Wir begegnen dem Winter kreativ. Dabei können Fragen auftauchen, die uns der Wald spiegelt, und die wir schreibend erforschen dürfen. Auch die Bäume, das Moos, die Krähe können befragt werden: 

Was macht ihr im Winter? Was ist Deine Geschichte?

Die magische Fantasie einladen


So weben sich unsere Waldworte in unsere Texte ein, die mal lyrisch, mal erzählend daherkommen, oder auch ganz frei. Gerade wenn alles so reduziert und karg ist, die Dunkelheit präsent und wir mit der Wintersonnenwende, Weihnachten und Silvester so eine Schwellenzeit empfinden, können wir die magische Zeit der Fantasie und Inspiration einladen. 

Vielleicht begegnen wir kleinen Trollen oder anderen Wesen des Waldes, vielleicht hören wir, wie das Käuzchen einen geheimnisvollen Namen ruft, oder wir gehen einer Spur im Schnee oder Eis nach, die uns an einen besonderen Ort führt. Alles kann sein, schreibend im Winterwald. Wir können ganz wir sein und an unser kreatives, spielendes Ich anknüpfen.

Er lädt dazu ein, langsamer zu werden, genauer hinzuschauen und zu lauschen, was sonst nicht gehört wird.

Erfahrung, Wahrnehmung und Verbindung


Das Schreiben im Winterwald darf leise sein. Wir schreiben mit der Natur in Verbindung, wie auch immer sie sich gerade zeigt. Aus uns selbst heraus, im eigenen Rhythmus, in Zeiten des Schweigens und Zeiten des Ausdrucks. Unsere Erfahrungen im Resonanzraum Wald drücken wir schreibend aus mit unserer Stimme auf Papier. Dabei kann uns die Kälte, die Nässe, die Dunkelheit helfen, um unserer Geschichte auf die Spur zu kommen. Jeder Text, den wir geschrieben haben, zeugt von einer Verbindung, die wir eingegangen sind mit der Natur und uns selbst. Ein Text, eine Verbindung, die wir mit unserem Körper erlebt und geschaffen haben.

Ob Geschichte, Gedicht oder freier Text – aus dem Winterwald nehmen wir Geschenke mit nach Hause, die uns durch den Winter begleiten und leiten können. Schreiben wir regelmäßig mit der Landschaft im Winter, nehmen wir die Veränderung wahr, die sich in der Natur und in uns vollzieht. So kann das Schreiben eine Kraftquelle sein, die uns bis in den wärmer und lebendig werdenden Frühling führt. 

Hey, ich bin Lea!
Ich schreibe hier über das kreative und heilsame Schreiben und die Verbindung mit der Natur.
Ich freue mich, wenn Du reinliest und mitnimmst, was in Dir anklingt...

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